Freitag, 8. April 2011

Gottes Urteil

Ganze Völker sind in diesen Jahren in […] »Grenzsituationen« geführt worden! Auch die Bibel weiß um solche Situationen für die Einzelnen und für die Völker, auch sie spricht von Hungersnot und Erdbeben und Krieg und Massensterben als von göttlichen Gerichten, aber sie weiß auch zu sagen, daß diese Gerichte Gottes kommen und gehen, daß aber von jener wahren Erschütterung der Menschen, von jener grundsätzlichen Veränderung nichts zu merken ist. Fragen wir uns selber: was bedeuten die Leiden, die in diesen letzten Jahren über die Menschheit gegangen sind, für unser Denken und unsere ganze Existenz? Ist es nicht gegangen, wie es schon zu Samaria und zu Jerusalem gegangen ist: die Gerichte Gottes kamen, Dinge geschahen, die wir vor 30 Jahren noch nicht für möglich gehalten hätten, […] Feuer ist vom Himmel gefallen, […] Grauen und Not aller Art hat die Menschheit überfallen, aber das Alles ist gekommen und gegangen, wie ein Wind über die Gräser und Blumen weht: sie neigen sich eine Weile, und wenn er nachläßt, so richten sie sich wieder auf. Ist auch nur ein einziger Mensch wirklich von Grund aus anders geworden durch die fallenden Bomben? Und wenn es noch ein wenig schlimmer kommen würde, als es gewesen ist, es würde kaum etwas anders werden. (Aus § 5., »Gottes Urteil«.) Karl Barth

Keine Kommentare: