Haarsträubende Geschichten ereignen sich immer wieder. Die Zeitungen sind voll davon. Ja, manche Gazetten leben geradezu von solchen Meldungen, bei denen die Haare gar nicht aufhören, zu Berge zu stehen. Bungee-Jumping von Wolkenkratzern oder Extrem-Klettern an Fenster-Fassaden sind noch die harmloseren Vergnügungen mancher Zeitgenossen, von denen da berichtet wird. Solange man selbst nicht von solch Vorlieben anderer Menschen in Mitleidenschaft gezogen wird, mag man diese Aktivitäten mit wohligem oder auch unwohlem Abstand verfolgen. Anders sieht das freilich aus, wenn man selbst in ein Verhalten eingebunden wird, das einem die Haare zu Berge stehen lässt. Jede längere Autobahnfahrt bietet dazu die gar nicht erwünschte Gelegenheit. Wenn man da auf jene eiligen Mitmenschen trifft, die es als persönliche Beleidigung ansehen, jemals die rechte Fahrspur benutzen zu sollen, kann es schnell heikel werden. Fährt man als niedrigklassiger Automobilist zwecks Überholen auf der linken Fahrbahn und braucht dazu auch noch etwas Zeit, dann kann es einem oft schlecht ergehen. Schon von weitem wird einem per Lichthupe signalisiert, schnellstens für das ranghöhere Gefährt Platz zu machen. Gelingt einem das nicht rasch genug, so spürt man alsbald den heißen Atem des Dränglers im Nacken. Zentimeter trennen da oft nur noch die Stoßstangen des Gejagten von dem des Jägers. Ein Schrecken, der einem die Haare zu Berge stehen lässt, kann einem da schon ! in die gestressten Glieder fahren. Ein Schrecken überkam auch den, in dessen Munde sich diese Redwendung in der Bibel findet. Es ist Eliphas, einer der Freunde Hiobs. Ihm wird in der Beschäftigung mit der Frage nach dem Warum des Leides, das Hiob widerfuhr, eine nächtliche Offenbarung zuteil. Diese schildert Eliphas mit folgenden Worten (Hiob 4,15 ff): „Und ein Hauch fuhr an mir vorüber; es standen mir die Haare zu Berge an meinem Leibe. Da stand ein Gebilde vor meinen Augen, doch ich erkannte seine Gestalt nicht; es war eine Stille, und ich hörte eine Stimme: Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott oder ein Mann rein sein vor dem, der ihn gemacht hat?“ Ein göttlicher Schrecken ist es also, von dem ein Mensch hier heimgesucht wird und der ihm die Haare zu Berge stehen lässt. Und wiewohl für jeden Menschen gilt, dass er aus sich heraus nicht vor Gott zu bestehen und ihm zu begegnen vermag, so gewiss ist doch, dass er es im Glauben an Christus kann. Christus ist deshalb! auch die Antwort auf die Frage des Eliphas: „Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott oder ein Mann rein sein vor dem, der ihn gemacht hat?“ Der Apostel Paulus kleidet diese Antwort in folgende Worte (Römerbrief 5,18): „Durch die Gerechtigkeit des Einen (Christus) ist für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt.“ Solch eine Zusage, dass wir Menschen um Christi willen Gott recht sind, mag nun wiederum manch einem als eine haarsträubende Logik erscheinen. Darauf wäre zu antworten: Es ist die Logik jener Liebe Gottes, die möchte, dass seine Töchter und Söhne nicht fern von Gott, sondern im Frieden und versöhnt mit Gott, ihrem Vater, leben können.
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