Es war vor einigen Jahren im Sommer. Ich stehe zum ersten Mal auf dem 3-Meter-Brett. Ich schau nach unten. Hui, ganz schön tief. Mich in diese endlose Tiefe stürzen? Niemals! Doch hinter mir warten meine Kumpels. „Na los! Wir wollen heute auch noch springen.“ rufen sie. Mir also die Blöße geben und den sicheren Rückzug über die Treppe antreten? Niemals! Ich zögere. Springen oder nicht? Angsthase oder nicht?
Die Angst des Hasen ist sprichwörtlich. Weil sich dieser Nager nicht selbst zur Wehr setzen kann, muss er schneller in seine Höhle flüchten können als sein Feind. Oder eindeutig die besseren Haken schlagen. Ein Angsthase eben.
Dieses Vorbild ist zum Synonym für Menschen geworden, die sich nichts trauen. Angst ist heutzutage aber nicht angesagt. Man verwirklicht sich selbst und seinen Traum mit allen Mitteln und holt aus den schönen Jahren seines Lebens das Maximale heraus. Wer hier zögert oder Angst an den Tag legt, ist nicht gemacht für diese Welt. Der hat dann keinen Mumm in den Knochen und ernste Probleme mit seinem Selbstwertgefühl. Wer Angst hat, kann sich nicht wehren und muss die Flucht nach vorn antreten. Oder nach hinten. Oder zur Seite, je nach dem, wo der kleinste Widerstand eben ist. Eine erbärmliche Kreatur, solch ein Angsthase.
Ähnliche Assoziationen hat so mancher, der Christen in seinem Umfeld beobachtet. Angsthasen! Weil sie mit ihrem Leben nicht klar kommen, vertrösten sie sich mit dem Gedanken an ein Jenseits. Dort soll dann alles besser und einfacher sein. Und man soll sogar für schwere Zeiten auf der Erde belohnt werden. Weil diese Leute vor der Härte des Lebens resignieren, flüchten sie sich in den Gedanken an einen Gott, der natürlich viel stärker ist als alle Probleme dieser Welt. Und der weiß immer einen Ausweg. Zumindest wird das behauptet.
Ist das wirklich so? Sind Christen die Angsthasen der Nation? Sind sie diejenigen, die das Muffensausen packt, weil sie für dieses Leben einfach zu schwach sind? Ich denke nein. Denn erstens kann dieser Gott auch heute noch erfahren werden. Er kann in schwierigen Situationen helfen. An Gott zu glauben und sich auf ihn zu verlassen ist also kein Zeichen von Schwäche. Es zeugt viel mehr von einer guten Wahrnehmung dieser Welt und von einer guten Beziehung zu diesem Gott.
Zweitens ist es manchmal mutiger, sich der Angst zu stellen und diese auszuhalten, sie zu durchleben. Wer immer vor der Angst flieht und dann behauptet, keine Angst zu haben, lügt sich selbst in die Tasche. So haben sich z. B. viele Christen der Angst vor dem Tod gestellt – und diese durch ihren Glauben überwunden. Das befreit ungemein!
Drittens ist es ein Grundprinzip der Bibel, dass sich Gott besonders durch sein Wirken in den Schwachen dieser Welt zu erkennen gibt. Gerade bei denjenigen, denen die eigene Kraft fehlt, wird deutlich, dass Gott in ihnen wirkt. So können sie erst recht über sich selbst hinauswachsen.
Deshalb kann ich als Christ sagen: Angsthase, Pfeffernase? Nein danke! Von Joachim Bär
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